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Georg Moritz Pohlmann
Beschwerdebild

Leistungsblockaden

Die Dynamik von Leistungsblockaden

Wenn Menschen in Tätigkeitsfeldern mit hohen Leistungsanforderungen – etwa im Leistungssport, auf der Bühne oder in der Musik – Blockaden entwickeln, kann eine sich selbst verstärkende Dynamik entstehen. Je wichtiger es erscheint, in einer bestimmten Situation unbedingt funktionieren zu müssen, desto stärker kann sich die Aufmerksamkeit von der eigentlichen Tätigkeit auf die Beobachtung und Kontrolle der eigenen Leistung verschieben: Funktioniert es? Bin ich angespannt? Mache ich einen Fehler? Was, wenn es wieder nicht klappt?

Zuvor selbstverständliche und automatisierte Abläufe werden zunehmend bewusst überwacht und kontrolliert. Damit verändern sich auch körperliche Prozesse wie Atmung, Muskelspannung, Blick und Bewegungsabläufe. Statt zu spielen, aufzutreten oder Musik zu machen, wird währenddessen überprüft, ob man noch dazu in der Lage ist. Erwartungsängste, zunehmende Verkrampfung und als beschämend erlebte Misserfolge können schließlich die einst positiv besetzte Tätigkeit und Schritt für Schritt auch andere Lebensbereiche wie eine dunkle Wolke überschatten.

Manchmal reicht die Geschichte einer solchen Blockade auch weiter zurück. Misserfolge, körperliche Verletzungen oder Leistungseinbrüche können selbst zu tiefgreifenden Erfahrungen werden, deren Erinnerungsspuren in entsprechenden Momenten unwillkürlich aktiviert werden. Ebenso bedeutsam kann sein, was in solchen Situationen mit einem Menschen geschieht und wie seine Umgebung mit seiner Verletzlichkeit, seinem Scheitern oder seinem zeitweisen Nicht-Funktionieren umgeht. Dabei gemachte Erfahrungen von Beschämung, Entwertung, Überforderung oder Alleingelassensein können sich tief einprägen.

Eine spätere Blockade kann dann nicht nur Ausdruck zunehmender Unsicherheit sein, sondern zugleich mit einem zunächst vielleicht kaum verstandenen inneren Widerstand verbunden sein: Ich kann nicht mehr – und vielleicht will ich so auch nicht mehr.

Neue Dynamiken anstoßen

Die gemeinsame Arbeit zielt deshalb nicht einfach darauf, möglichst schnell wieder zu „funktionieren“. Neben der Bearbeitung belastender Erfahrungen und der Veränderung von Aufmerksamkeits-, Bewertungs- und Körperprozessen kann es darum gehen, den Kontakt dazu wieder zu stärken, wozu und auf welche Weise man die jeweilige Tätigkeit selbst ausüben möchte.

Eine stimmige Beziehung zu Leistung, Wettbewerb, Fehlern und den Erwartungen anderer kann neu entwickelt und in herausfordernden Situationen erprobt werden. Die Aufmerksamkeit kann wieder stärker von der fortwährenden Kontrolle der eigenen Leistung auf die gegenwärtige Tätigkeit gerichtet, automatisierten Kompetenzen wieder mehr Raum gegeben und eine gelassenere Beziehung zu Anspannung, Fehlern und möglichem Scheitern entwickelt werden. Auf dieser Grundlage kann auch die Fähigkeit wachsen, unter Druck frei, konzentriert und leistungsfähig zu handeln.

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