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Georg Moritz Pohlmann
Beschwerdebild

Angst

Die Dynamik der Angst

Die leidvolle Dynamik, die die diagnostische Bezeichnung „Angststörung“ verliehen bekommt, kennzeichnet typischerweise ein Wechselwirkungsgeschehen verschiedener Elemente. Nicht alle davon müssen bei jedem Menschen in gleicher Weise eine Rolle spielen:

  • Eine erhöhte Sensibilität für bestimmte Gefahren und Risiken richtet die Aufmerksamkeit auf mögliche bedrohliche Entwicklungen in der Zukunft – etwa auf zwischenmenschliche Ablehnung und Beschämung, Krankheit, körperlichen Kontrollverlust, Situationen ohne unmittelbar verfügbare Flucht- oder Hilfsmöglichkeiten oder andere mögliche Gefahren.
  • Mögliche Bedrohungen werden in der Vorstellung lebendig vorweggenommen. Dabei wird häufig nicht nur die mögliche Gefahr groß, sondern zugleich das eigene Selbst klein: Man imaginiert sich als machtlos, ausgeliefert oder allein. Auch ältere, mitunter kindliche Erlebniszustände von Hilflosigkeit, Beschämung oder Verlassenheit können dabei aktiviert werden.
  • Eigene Kompetenzen, bisherige Bewältigungserfahrungen und verfügbare Unterstützungsmöglichkeiten geraten aus dem Fokus und erscheinen im entscheidenden Moment kaum noch zugänglich.
  • Die Wahrnehmung verengt sich zunehmend tunnelblickartig auf das bedrohliche Szenario und das eigene Ausgeliefertsein. Andere mögliche Verläufe, relativierende Informationen und eigene Handlungsmöglichkeiten werden immer weniger wahrgenommen.
  • Damit gehen unwillkürliche körperliche Alarmreaktionen einher: Atmung, Muskelspannung, Herzschlag, Blick und Aufmerksamkeit verändern sich. Diese Reaktionen können wiederum selbst als Anzeichen von Gefahr wahrgenommen werden und den Alarm weiter verstärken.
  • Das eigene Angsterleben wird zugleich negativ bewertet und bekämpft: als übertrieben, unsinnig, peinlich oder als Ausdruck persönlicher Schwäche. Die Angst muss weg. Ich darf mich so nicht fühlen. Gelingt dies trotz großer Anstrengung nicht, wird auch das als Erfahrung eigenen Scheiterns und mangelnder Kontrolle erlebt.
  • Vor die ursprüngliche Angst schiebt sich zunehmend eine Angst vor der Angst – vor den eigenen Empfindungen und Körperreaktionen, vor Kontrollverlust, Beschämung oder dem erneuten Erleben eigener Hilflosigkeit.
  • Die Lebensführung richtet sich dadurch immer stärker auf die Vermeidung angstassoziierter Situationen sowie auf Sicherheits-, Kontroll- und Rückversicherungsstrategien aus. Diese bringen kurzfristige Entlastung, lassen aber Erfahrungen seltener werden, in denen sich befürchtete Entwicklungen als weniger bedrohlich als erwartet und schwierige Situationen als bewältigbar erweisen – und das eigene Selbst als handlungsfähig erlebt werden kann.

Neue Dynamiken anstoßen

Die gemeinsame Arbeit zielt darauf, neue Wechselwirkungsdynamiken zu entfachen, so dass Sie vom „Objekt der Angst“ wieder zum selbst-bewussten Gestalter des eigenen Lebens werden können. Typischerweise können dazu unter anderem gehören:

  • die Erprobung einer anderen Beziehung zur Angst: angstassoziierte Vorstellungen, Gefühle und Körperreaktionen wahrnehmen und ihnen mit größerer Gleichmütigkeit begegnen, anstatt sie unmittelbar bekämpfen, kontrollieren oder vollständig aus Ihrem Leben verbannen zu müssen;
  • die Anerkennung und Einordnung älterer Erlebniszustände: Empfindungen von Hilflosigkeit, Kleinsein, Beschämung oder Verlassenheit wahrnehmen, ohne ihnen in gegenwärtigen Situationen, in denen Sie auf Ihre heutigen Fähigkeiten und Handlungsmöglichkeiten zurückgreifen können, die Führung zu überlassen;
  • die Wiedergewinnung von Wahrnehmungs- und Handlungsfreiheit: auch unter Anspannung Ihren Aufmerksamkeitsfokus wieder weiten, über Atmung, Blick und Körperhaltung auf Ihren Zustand Einfluss nehmen und den Kontakt zu Ihren Kompetenzen und Unterstützungsmöglichkeiten stärken;
  • die Bahnung von Selbst-Bewusstsein: wieder stärker wahrnehmen, was Ihnen selbst wichtig erscheint, was sich für Sie konsistent, richtig und stimmig anfühlt und wie Sie sich – auch angesichts vorhandener Angst und verbleibender Ungewissheit – verhalten möchten;
  • die Initiierung lohnenswerter Wagnisse: Vermeidungs-, Sicherheits- und Kontrollstrategien schrittweise lockern, sich freiwillig in bislang vermiedene oder gefürchtete Situationen hineinbegeben und dabei neue Erfahrungen damit ermöglichen, was tatsächlich geschieht und welche Handlungsmöglichkeiten Ihnen auch unter Angst und Unsicherheit zur Verfügung stehen.

Auf diese Weise kann eine neue Dynamik entstehen, in der Sie die Angst – diese für unser Leben und Überleben so wichtige Fähigkeit – nicht mehr bekämpfen, sich aber auch nicht von ihr führen lassen müssen. Sie gelangen wieder stärker in die Position des aktiven Subjekts und selbst-bewussten Gestalters: Auch in herausfordernden Lebenslagen können Sie wahrnehmen, was richtig und stimmig erscheint, Ihr Handeln daran ausrichten und unter Druck auf die eigenen Kompetenzen zurückgreifen.

Kontakt

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Wenn Sie unter Ängsten, Zwangsgedanken, Traumafolgen, depressiven Entwicklungen, Leistungsblockaden oder Schwierigkeiten mit Selbstbehauptung und Selbstschutz leiden, können Sie über das Kontaktformular mit mir Kontakt aufnehmen. Im Erstgespräch klären wir gemeinsam, ob meine Arbeitsweise und Ihr Anliegen gut zueinander passen.